Big Data und die Personenversicherung

Über die NSA, Big Data und die Personenversicherung oder: das Ende der Solidargemeinschaft

In den letzten Wochen war die Aufregung über die elektronische Ausspähung und Kommunikations-Dauerüberwachung der US-Amerikaner und der Briten groß. Trotzdem machen sich die meisten falsche Vorstellungen über die Anwendungsmöglichkeiten der daraus gewonnenen Informationen. (Meta-Analysen). Die meisten vermuten, dass es „nur“ um das Mitlesen geht. Dem ist nicht so. Die praktischen Anwendungsmöglichkeiten tangieren uns Alle in Kürze, -  im Folgenden einige Beispiele.

Medizin: diese äußerst leistungsstarken Analyse-Programme für Metadaten sind nun in der Lage die DNA eines Menschen in Echtzeit sequenzieren. Dafür waren bis vor kurzem noch Jahre an Rechenzeit notwendig. Gleiches gilt für den Enzymstatus. Diese beiden Datenanalysen genügen in der Regel um hinreichend treffsichere Prognosen über den weiteren Gesundheitszustand zu erstellen. Aber es bleiben natürlich Prognosen. Einer allfälligen möglichen Verhaltens- und/oder Ernährungsänderung in der Zukunft kann natürlich nie Rechnung getragen werden, da die Modelle den Ist- Zustand statisch hochrechnen. Positiv daran ist, dass Medikamente hinkünftig genau auf den einzelnen Menschen abgestimmt werden können, da ja die gängigen Mengen- und Dosierungsangaben höchst ungenaue Durchschnittswerte sind. Ob Sie ein Mann, einen Frau oder auch ein Kind sind: alles wird über einen Kamm geschert. Das wird in Kürze - für alle die es sich leisten können -  ein Ende haben.

Und die Kehrseite der Medaille ?

Diese Methoden, fürchte ich, werden dazu führen, dass Versicherungsanstalten nur mehr Menschen versichern werden, deren Gesundheitsprognosen hinreichend gut sind. Wir sprechen wohlgemerkt nicht von erkrankten Menschen sondern von Prognosen über den zukünftigen Gesundheitszustand. Risikoausgleich über die „gesunde“ Mischung, wird es nicht mehr geben. Vielmehr gehe ich davon aus, dass  Menschen in baldiger Zukunft aufgrund von Prognosen und nicht mehr anhand konkreter Erkrankungen analysiert werden. Ähnliches befürchte ich für den Arbeitsmarkt. Werden bald nur mehr Menschen mit guten Gesundheitsprognosen eingestellt? Ich finde die Idee der EU großartig. Mein Zu- und Vertrauen in die EU - Politiker (also in uns Europäer) ist  mittlerweile sehr begrenzt. So war auch die vermeintliche Erbostheit über die Daten Schnüffelei eine Politiker-Farce sondergleichen: alle Länder und alle Verantwortlichen wussten davon. Ich verweise in dem Zusammenhang auf meinen Blog  „Liebe NSA…..“. Dort finden Sie den YouTube-Link zum Interview mit dem österr. Geheimdienstchef des Verfassungsschutzes.

weitere Anwendungen:

Amazon Buchempfehlungen Basis: Metadaten- Analyseprogramme. Eigenartig wie treffsicher diese Vorschläge kommen. Da stellt sich die Frage: Wie individuell sind wir wirklich ?

Bewährungsausschüsse: Bewährungsausschüsse in den USA verwenden bereits seit einigen Jahren derartige Metadatenanalyseprogramme und manchen Ihre Zustimmung oder Ablehnung einer möglichen vorzeitigen Entlassung bereits in großem Maß davon abhängig, welche Prognose die Programme errechnet haben. Wer also im falschen Viertel geboren, vielleicht zu wenig Schulbildung, die falsche Hautfarbe oder ähnliche Parameter aufweist, dem wird von vorneherein keine Chance gegeben. Das ist bereits gelebte Realität.

Terrorbekämpfung: Es geht nicht (nur) um die Inhalte. Es geht vor allem um die sozialen „Kontaktmuster“, die man aus diesen Meta-Analysen erhält.  Ein Beispiel: eine Gruppe von Personen unterhält regen Kontakt untereinander.  Außerhalb der Gruppe haben die Mitglieder aber kaum Kommunikation. Weder telefonisch, noch per Facebook, noch per Mail. Nun wurde die Gruppe als Terrorzelle identifiziert und das Muster als Indikator abgespeichert. Jede Gruppe, die sich nun ähnlich verhält, wird als vom NSA-Metadatenanalyseprogramm als Terrorzelle identifiziert und deren Mitglieder prophylaktisch dauerüberwacht. Anstatt dem Umstand Rechnung zu tragen, dass es sich um eine Korrelation (Ähnlichkeit ohne gem. Ursache) handelt, wird stattdessen angenommen es handelte sich um einen Kausalität. (gleiche Ursachen)

Fazit: die Anwendung dieser hochinteressanten neue Technologie kann Segen oder Fluch sein. Welche Regeln werden wir uns auferlegen? Welche Selbstbeschränkungen sollen gelten?

Andreas Baumgartner
Dieser Blog gibt die persönliche Ansicht des Autors wieder.

Quelle: Prof. Dr. Victor Meyer-Schönberger, Buch „ Big Data“

Weitere Artikel für Sie

Wir sind gerne für Sie erreichbar!