Schlampig, falsch oder beides?

Der Anteil falsch abgeschlossener Haushaltspolizzen ist erschreckend hoch. Was "falsch" ist, fragen Sie sich vielleicht – und finden in diesem Artikel Antworten, Wissenswertes und Erklärungen zu wenig bekannten und daher oft missachteten Vorschriften.

Im Durchschnitt wandern rund 700 Fremdpolizzen jährlich über die Tische der RISK SOLUTION, darunter viele Haushalts- oder Eigenheimpolizzen. Die traurige Wahrheit: Mehr als 75 % (!) davon sind mangelhaft und würden im Schadensfall keine oder eine lächerlich kleine Deckung bieten.

Die „ausbaufähigsten Deckungen“ von Polizzen, die wir kundenseitig vorgelegt bekommen, stammen vielfach aus dem Bankenvertrieb, wo schnellgeschulte Mitarbeiter binnen Wochenfrist zu „Versicherungsexperten“ ausgebildet werden. Aber keine Sorge: Im Regelfall ist der abschließende Bankmitarbeiter im Schadensfall ohnehin nicht mehr in der Filiale anzutreffen, da im Zuge der branchenüblichen Jobrotation alle 1 bis 2 Jahre ein Austausch der Mitarbeiter erfolgt.

Beliebte Fehlerquellen und Fallstricke

Die häufigsten Fehler, die beim Abschluss von Haushaltsversicherungen gerne mal gemacht werden: falsche Quadratmeterangabe, falsche Wohnutzflächenangabe, falsche Geschoßangaben, falsche Widmung (Büro), falsche Türnummer, Lebensgefährte nicht genannt, Safe samt Sicherheitsklasse nicht in die Polizze eingemeldet, Erhöhung der Versicherungssumme, den mitzuversichernden Safe-Inhaltswert vergessen, Alarmanlage im Antrag als Sicherung genannt (ein fataler Kardinalfehler!), Hund(e) nicht mitversichert, Aquarium nicht genannt, Fußbodenheizung nicht versichert, Loggia verglast – Verglasung nicht separat gemeldet.

Liest sich wie ein Worst-of, sind aber sehr gängige Beispiele für mangelhafte Deckungen, die uns bei der Überprüfung von Fremdpolizzen begegnen – und sauer aufstoßen.

Neben falschen Angaben sind es auch nicht befolgte (weil wenig bekannte) Vorschriften, die bei Nichteinhaltung zu Leistungsverlust führen können – und werden.

Zwischen 72-Stunden-Regel und der unerwarteten Öffentlichkeit von Fahrradräumen

Wissen Sie, was die 72 Stunden-Regel vorschreibt? Damit ist das Sperren des Hauptwasserhahnes gemeint, welcher bei längerer Abwesenheit (72 Std.) unbedingt abzudrehen ist. Dass viele Kunden gar nicht wissen, wo sich dieser Sperrhahn in ihrer Wohnung befindet, wundert uns immer wieder, schützt aber vor der Schadensleistungsablehnung wegen Nichteinhaltung vertraglicher Obliegenheiten, auch nicht.

Haftpflicht Kinder: Ist Ihnen bewusst, dass im gleichen Haushalt lebende Kinder ab dem ersten Einkommen bei den meisten Anbietern separat in die Haftpflichtdeckung der Polizze aufgenommen werden müssen, in der sie zuvor als Schüler, manchmal auch als Lehrling oder Student kostenlos mitversichert waren?

Wertgegenstände: Haben Sie jemals eine Wertgegenständeauflistung erstellt bzw. aktualisiert? So eine Auflistung sollte zumindest jährlich erstellt und tunlichst „außer Haus“ deponiert werden, um auch im Brandfall oder beim Einbruchdiebstahl für nachzuweisende Ersatzansprüche an die Versicherung gut gerüstet zu sein.

Fahrräder: Auch die Aufbewahrung teurer Fahrräder im Keller oder im Fahrradraum (alternativ am Dachboden oder „im Hof“) sorgt im Diebstahlsfall im wahrsten Sinn des Wortes für „Radlosigkeit“. Denn so aufbewahrte Räder werden nur selten bis gar nicht ersetzt. Im Keller ist lediglich so genannter „Keller- und Bodenkram“ versichert. Der Fahrradraum ist im Regelfall nicht nur Ihnen persönlich, sondern allen Mietern zugänglich und „fliegt“ damit bei fast allen Polizzen aus der Deckung, da diese Verwahrung als „öffentlich zugänglich“ gilt.

Warum ist das alles so wichtig? Es obliegt Ihnen – dem Versicherungsnehmer – den Schaden zu beweisen und glaubhaft darzustellen. Alle zuvor genannten Regeln stellen in vielen Fällen vertragliche Auflagen dar, die bei Nichteinhaltung zur Leistungseinschränkung und/oder -verweigerung führen können.

Fazit, weil's wahr ist

Haushaltsversicherungen sind keinesfalls ein Mitnahmeprodukt von der Stange! Vielmehr sollte eine derartige Polizze Ihr gesamtes bewegliches Hab und Gut in Ihrem Haus, Ihrer Wohnung absichern. Haushaltsversicherungen bedürfen daher einer fundierten Analyse der Ist-Situation und gehören ausschließlich in die Hände von Fachleuten.


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