Der wichtigste Vermögenswert Ihrer Familie

Warum die eigene Arbeitskraft der größte und am häufigsten übersehene Vermögenswert ist

10. August 2026

Bild: KI-generiert

Ein 21-jähriger Feinmechaniker fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit. Wie jeden Tag.

Wenige Monate später empfehlen ihm die Ärzte eine Umschulung.

Dazwischen liegt kein spektakulärer Großunfall. Keine Schlagzeile. Kein Fall für die Abendnachrichten. Ein unglücklicher Moment genügt.

Der folgende Fall aus unserer Praxis ist uns bis heute in Erinnerung geblieben. Nicht weil er außergewöhnlich war. Sondern weil er zeigt, wie schnell ein Berufsweg aus der Spur geraten kann.

Wenn aus einem Plan plötzlich ein Fragezeichen wird

Der junge Mann hat seine Lehre erfolgreich abgeschlossen und absolviert gerade die Werkmeisterausbildung. Die berufliche Entwicklung verläuft nach Plan. Mehr Verantwortung, mehr Fachwissen und bessere Einkommensperspektiven zeichnen sich bereits ab. Vielleicht führt der Weg später in eine Führungsfunktion, vielleicht sogar in die Selbstständigkeit.

Dann kommt der Fahrradsturz.

Beim Sturz verletzt er sich am rechten Daumengelenk seiner dominanten Arbeitshand. Die Operation verläuft erfolgreich – zumindest aus medizinischer Sicht. Die Funktion des Daumens bleibt jedoch dauerhaft eingeschränkt. Feinmotorische Arbeiten sind nur noch begrenzt möglich. Zusätzlich besteht die Gefahr einer späteren Arthrose. Genau jene Tätigkeiten, die seinen Beruf ausmachen, werden damit zum Problem.

Nach mehreren Untersuchungen sprechen die Ärzte schließlich eine Empfehlung aus: Umschulung.

Das klingt vernünftig, fast wie eine Lösung. Für viele Betroffene fühlt es sich zunächst jedoch anders an. Nicht wie eine Lösung, sondern wie das Ende eines Plans.

Der Beruf, den man gelernt hat. Die Ausbildung, in die man Jahre investiert hat. Die laufende Werkmeisterausbildung. Die Vorstellungen von der eigenen Zukunft.

Plötzlich steht all das in Frage.

Besonders bitter war die Situation, weil der Werkmeisterkurs bereits lief. Während seine Kollegen über Führungsaufgaben, Spezialisierungen und die nächsten Karriereschritte nachdachten, musste er sich plötzlich eine ganz andere Frage stellen:

Werde ich meinen Beruf überhaupt noch ausüben können?

Während andere Teilnehmer ihre Ausbildung fortsetzten, beschäftigte er sich mit Arztterminen, Gutachten und Zukunftsfragen. In den ersten Wochen ging es kaum um Versicherungen. Es ging um etwas viel Grundsätzlicheres: Wie soll mein Berufsleben jetzt weitergehen?

Eine Neuorientierung gelingt später oft erstaunlich gut. In den ersten Wochen fühlt sie sich jedoch selten so an. Der eigentliche Schaden ist daher häufig nicht die Verletzung. Der eigentliche Schaden ist der Verlust eines bereits begonnenen Berufsweges.

Auf dem Spiel stand nicht nur ein Daumengelenk, sondern der Motor, der in den kommenden Jahrzehnten Einkommen erwirtschaften sollte.

„Ich rechnete nie ernsthaft damit“

Bei einer späteren Fallbesprechung sagte der junge Mann etwas, das mir bis heute in Erinnerung geblieben ist:

„Ich wusste natürlich, dass so etwas passieren kann. Aber ich rechnete nie ernsthaft damit, dass es mich treffen würde. Ich habe auf meine Gesundheit geachtet. Ich dachte immer, mir passiert so etwas nicht.“

Wahrscheinlich liegt genau darin einer der häufigsten Denkfehler überhaupt.

Der junge Mann hatte nichts falsch gemacht. Er war gesund, sportlich und motiviert. Er hatte weder leichtsinnig gehandelt noch bewusst Risiken gesucht. Trotzdem genügte ein einziger unglücklicher Moment.

Wir überschätzen unseren Einfluss auf die Zukunft

Genau darin liegt eine unbequeme Wahrheit: Wir haben deutlich weniger Einfluss auf unsere Gesundheit, als wir gerne glauben.

Natürlich kann man gesund leben. Man kann Sport treiben, auf Ernährung achten und vernünftige Entscheidungen treffen. All das erhöht die Chancen. Eine Garantie ist es nicht.

Manchmal genügt ein Reh, das vor das Moped läuft. Ein Autofahrer, der beim Überqueren einer Kreuzung nicht aufpasst. Ein Ausrutscher auf einer nassen Terrasse. Ein unglücklicher Sturz beim Sport. Oder eine Erkrankung, die niemand vorhersehen konnte.

Das Leben hat leider die unangenehme Angewohnheit, wichtige Entscheidungen zu treffen, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen.

Nicht jede Verletzung kostet Gesundheit. Manche kosten Zukunft.

Warum wir häufig die falschen Risiken fürchten

Menschen schätzen Risiken oft erstaunlich schlecht ein.

Niemand würde in ein Flugzeug steigen, wenn die Absturzwahrscheinlichkeit bei einem Prozent läge. Zu Recht.

Unsere Ängste haben ein erstaunliches Talent: Sie warnen uns vor Haiangriffen und übersehen die Risiken, über die wir täglich stolpern.

Gleichzeitig beschäftigen sich viele Menschen kaum mit einem Risiko, das wesentlich häufiger eintritt.

Berufsunfähigkeit ist selten spektakulär. Genau deshalb wird sie so häufig unterschätzt. Wir fürchten außergewöhnliche Ereignisse. Die wirklich relevanten Risiken verstecken sich oft im Alltag: ein Fahrradsturz, eine Erkrankung, eine psychische Belastung oder ein Unfall.

Nichts davon schafft es in die Abendnachrichten. Für den Betroffenen kann es trotzdem das gesamte Berufsleben verändern.

Je nach Studie wird etwa jeder dritte bis vierte Erwerbstätige im Laufe seines Berufslebens zumindest vorübergehend berufsunfähig. Diese Zahlen werden seit Jahrzehnten von Versicherern, Sozialversicherungsträgern und wissenschaftlichen Untersuchungen in ähnlicher Größenordnung bestätigt.

Das Risiko ist also keineswegs exotisch. Es gehört zu den häufigsten existenziellen Risiken überhaupt.

Der größte Vermögenswert ist meist unsichtbar

Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf den eigentlichen Vermögenswert vieler Familien.

Rechnen wir nüchtern: Ein junger Mensch startet mit 20 Jahren ins Berufsleben. Nehmen wir ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro an. Über 40 Berufsjahre ergibt das rund 2 Millionen Euro – ohne Gehaltssteigerungen, Karrierefortschritte oder Inflation.

Bei vielen Fachkräften, Akademikern, Spezialisten oder Unternehmern liegen die tatsächlichen Zahlen deutlich höher.

Plötzlich erscheinen Diskussionen über einige tausend Euro auf einem Sparbuch in einem anderen Licht.

Natürlich ist Sparen sinnvoll. Natürlich ist Vermögensaufbau wichtig. Doch bevor Vermögen aufgebaut werden kann, muss jemand in der Lage sein, es zu erwirtschaften.

Haus, Auto und Depot verdienen keinen Euro

Das Haus verdient keinen Euro. Das Auto verdient keinen Euro. Das Depot verdient keinen Euro.

All diese Dinge leben von einem einzigen Vermögenswert:

Dem Menschen, der morgens aufsteht und zur Arbeit geht.

Trotzdem wird genau dieser Vermögenswert häufig übersehen.

Viele Eltern sparen für ihre Kinder. Für den Führerschein, das Studium, die erste Wohnung und den Start ins Leben. Das ist vernünftig.

Was häufig fehlt, ist die Absicherung jener Fähigkeit, die all das später finanzieren soll.

Warum gerade junge Menschen im Vorteil sind

Mit 18 Jahren sind viele junge Menschen versicherungstechnisch nahezu perfekte Kandidaten: gesund, ohne Diagnosen, ohne Medikamente und ohne relevante Vorerkrankungen.

Einige Jahre später finden sich plötzlich Einträge in der Krankenakte. Allergien, Asthma, psychologische Behandlungen, Sportverletzungen oder Rückenprobleme. Oft nichts Dramatisches, versicherungstechnisch jedoch manchmal entscheidend.

Aus einem normalen Antrag werden Zuschläge. Aus Zuschlägen werden Ausschlüsse. Manchmal wird aus einem geplanten Abschluss gar kein Abschluss mehr.

Der eigentliche Fehler passiert dann nicht bei der Antragstellung, sondern Jahre davor.

Beim Aufschieben.

Es muss nicht immer die perfekte Lösung sein

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob sich jeder Schaden verhindern lässt.

Die entscheidende Frage lautet:

Was passiert danach?

Für viele junge Menschen lässt sich eine Berufsunfähigkeitsrente von 1.000 Euro monatlich bereits für rund 25 Euro pro Monat absichern. Natürlich hängt die tatsächliche Prämie von Alter, Gesundheitszustand und Beruf ab.

Das entspricht oft weniger als einem Streaming-Abo, einigen Kaffees oder einem Teil der Handyrechnung.

Über die Absicherung eines Vermögenswertes von zwei Millionen Euro wird hingegen häufig jahrelang nicht nachgedacht. Nicht weil sie unleistbar wäre. Sondern weil dieser Vermögenswert unsichtbar ist.

Dabei muss nicht jede Absicherung perfekt sein. 1.000 Euro monatlich ersetzen kein Berufsleben. Aber sie können verhindern, dass aus einem gesundheitlichen Problem zusätzlich eine finanzielle Krise wird. Sie schaffen Zeit – für eine Umschulung, eine Neuorientierung und den Aufbau einer neuen Perspektive.

Nicht jede Absicherung muss perfekt sein. Aber gar keine Absicherung ist selten die bessere Lösung.

Die wichtigste Frage zum Schluss

Wir versichern regelmäßig alles, was Geld kostet.

Aber oft nicht das, was Geld verdient.

Der größte Vermögenswert vieler Familien hat weder Kennzeichen noch Grundbuchseinlage. Er sitzt morgens am Frühstückstisch. Die meisten Menschen sehen ihn jeden Tag. Wie wertvoll er tatsächlich ist, wird oft erst dann bewusst, wenn Gesundheit plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist.

Alle Menschen sind klug. Manche vorher. Alle nachher.

Wenn Sie Klarheit wollen

Wir sehen uns bei der Vorsorge nicht nur an, was Sie besitzen, sondern vor allem, wovon es lebt — die Fähigkeit, ein Einkommen zu erwirtschaften. Gerade die Absicherung der eigenen Arbeitskraft ist oft günstiger und einfacher, als viele annehmen, und für junge, gesunde Menschen am leichtesten zu bekommen.

Rufen Sie uns an oder schicken Sie uns ein Mail, wenn Sie wissen möchten, wie sich Ihr wichtigster Vermögenswert sinnvoll absichern lässt.

Porträtfoto Andreas Baumgartner, MSc., Gründer und Versicherungsmakler bei Risk Solution

akad. Dipl. FDL

Andreas Baumgartner, MSc.

Seit über 25 Jahren im Versicherungs­wesen tätig, Prüfer in der Wirtschafts­kammer sowie Risiko- und Schadens­spezialist. Bringt seine fachliche Tiefe in jede Beratung und jeden Artikel ein.

Trompetenmundstück, Präzisionswerkzeug und Sicherheitskarabiner liegen auf einer hellen Werkbank im natürlichen Tageslicht.
Ein verlassener Büroarbeitsplatz vor einem stillstehenden, menschenleeren Unternehmensbereich.